Lemberger Geschichte im Überblick

Lemberger Geschichte im Überblick

Zum ersten Mal wurde Lemberg 1256 in der Galizien- Wolhynien Chronik erwähnt. Die Legende erzählt, dass Danylo Romanowytsch, der Fürst des galizisch- wolhynischen Fürstentums, einen Berg auswählte, um eine Burg für seinen Sohn Lew (Lew bedeutet auf Ukrainisch Löwe) zu errichten.  Seinem Sohn zu Ehre benannte der Fürst die Stadt Lwiw, was soviel wie „die von Lew“ bedeutet. Bis heute finden wir Abbildungen des Löwen sowohl auf dem Stadtwappen, als auch auf zahlreichen Skulpturen und anderen Kunstwerken der Stadt.

Die Stadt auf dem Berg

Der Berg, den sich Fürst Danylo im 13. Jahrhundert für seine Stadt auswählte, heißt heute Wyssokyj Samok (Hoher Schlossberg) und ist der höchste Gipfel über Lemberg. Er eignete sich perfekt für den Schutz gegen mögliche Eroberer und erwies nicht einmal einen guten Dienst den Bewohnern der Stadt.

Zuerst wurde auf dem Berg ein Fürstenschloss erbaut, was dem Gipfel den Namen Knjasha Hora (Fürstenberg) verlieh und der gleichzeitig den Kern von Lemberg bildete. Am Fuß des Berges breiteten sich die anderen Stadtteile aus, deren Zentrum ein Platz namens Staryj Rynok (Alter Markt) ausmachte. Die Größe des damaligen Lemberg kann aus der Zahl seiner Kirchen erschlossen werden: verschiedene Chroniken berichten von einer Fülle von Kirchen, unter denen die Freitags-, Onuphrius-, Nikolaus-, Auferstehungs-, Barbaras-, Johannes-des-Täufers- und Christi- Verklärungskirche sowie drei armenische Kirchen besonders zu erwähnen sind. Abgelegen von den anderen Kirchen erhob sich die prächtige St. Georg-Kathedrale mit dem dazugehörigen Kloster. Die meisten Heiligtümer wurden aus Holz errichtet, einige wurde jedoch bereits aus Stein gefertigt.

Lemberg unter Polen

Nach seiner Gründung blieb Lemberg 100 Jahre lang unberührt, bis 1340 der polnische König Kazimierz III. die Stadt eroberte und zerstörte. Die mongolisch- tatarische Fremdherrschaft hatte den Kyiwer Russ verwüstet und geschwächt, was in der Folge zur Abtretung der westlichen Territorien an Polen führte. Nach Angaben des polnischen Historikers Jan Dlugosz wurden alle wertvollen Sachen aus der Schatzkammer im Schloss der galizischen Fürsten nach Polen verbracht. Unter ihnen waren zahlreiche Gold- und Silberschmuckstücke, aber auch Alltagsgegenstände, Diamanten, zwei Kronen und ein Zelt mit einem Fürstenthron, der mit Edelsteinen verziert war.

Heute können wir nur annehmen, wie das hohe Fürstenschloss ausgesehen hat, weil nur ungenaue Beschreibungen von ihm überliefert sind und die vorhandenen Abbildungen auf diesen Beschreibungen beruhen.

Nach der endgültigen Eroberung der Stadt 1356 ließ Kazimierz III. ein neues königliches Schloss auf dem Berg Zamkowa (Schlossberg) errichten. Dies wurde zu einem beeindruckenden Symbol der unangefochtenen Macht der polnischen Krone über das mittelalterlichen Lemberg. Überdies wurden der Stadt vom polnischen König die Magdeburger Stadtrechte verliehen, was weitere Siedlungsprozesse sowohl christlicher als auch jüdischer Bürger mit sich brachte. Besondere Privilegien erhielten die Armenier, die erheblich zur Weiterentwicklungen von Lembergs Infrastruktur beitrugen.

1387 fiel Lemberg kurzfristig in ungarische Hände. Diese ungarische Herrschaft währte aber nicht lange, so dass Lemberg bald wieder in den Besitz des polnische Königreichs zurückkehrte.

Als Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Ruthenia wurde Lemberg von 1375 bis 1772 zu einer wichtigen und erfolgreichen Handelsstadt und einem blühenden kulturellen Zentrum.

Lange Zeit blieb das königliche Schloss auf dem Schlossberg eine uneinnehmbare Festung, bis es 1648 von den Zaporoger Kosaken mit Maxym Krywonis an der Spitze im Rahmen des Chmelnyzkyj – Aufstandes erobert wurde. Im 18. Jh. verlor das Schloss seine Bedeutung als Schutzfestung, worauf der Stadtrat erlaubte die Steine der Stadtmauer für den Häuserbau zu verwenden.

Ein wichtiges Datum in der Geschichte der Stadt ist das Jahr 1661, als von dem polnischen König Johann II. Kasimir die Universität Lemberg gegründet wurde. Diese Universität ist die älteste auf dem Territorium der heutigen Ukraine.

Lemberg unter der österreichischen Macht

1772 ging die Stadt mit samt ihrer Umgebung an Österreich und wurde zur Hauptstadt des Königreichs Galizien und Lodomerien erklärt. Neben der deutschen und polnischen Sprache wurden einige offizielle Unterlagen in ruthenischer (die damalige Benennung für die ukrainische Sprache) verfasst. Die Galizier wurden zu vollständigen österreichischen Staatsbürgern und konnten ihre Rechte in Wien durch die ruthenischen/ukrainischen Abgeordneten vertreten.

Lemberg stellte ein wichtiges administratives, religiöses und diplomatisches Zentrum dar, wo die Vertretung des kaiserlichen Statthalters, des polnischen Sejms, dreier katholischer Bischöfe und die Botschaften der bedeutendsten Staaten Europas präsent waren.

Vor dem ersten Weltkrieg gehörte Lemberg zu den wichtigsten Garnisonen im Osten der österreichisch-ungarischen Monarchie.

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Der Marktplatz in Lemberg

1918 wurde in Lemberg die Westukrainische Republik ausgerufen, die aber nur wenige Tage existierte und nach schweren Kämpfen an Polen fiel. Einen sehr bedauernswerten und traurigen Platz in der Stadtgeschichte nimmt das jüdische Pogrom ein, das einige Novembertage im Jahre 1918 wütete. Die Bedeutung dieser Tragödie hatte einen nachhaltigen Effekt und zerstörte das harmonische Zusammenleben der verschiedenen ethnischen Gruppen in Lemberg.

Grenzstadt der sowjetischen Ukraine

Von 1939 bis 1942 wurde die Stadt dem Hitler-Stalin Abkommen entsprechend von der Roten Armee besetzt, die diese Region in die Ukrainische Sowjetrepublik umwandelte. Im Zweiten Weltkrieg wurde Lemberg nach seiner Eroberung an das deutsche Generalgouvernement angeschlossen. Im Laufe des Krieges wurde in Lemberg fast die gesamte jüdische Bevölkerung ermordet und auch tausende Polen und Ukrainer fanden in den Konzentrationslagern ihren Tod.

Nach dem Rückzug der Deutschen Truppen im Jahr 1944 wurde die Macht in Lemberg wieder von den Sowjets ergriffen, die daran gingen die meisten einheimischen Polen aus der Stadt zu vertreiben. Die nationale und ethnische Vielfalt von Lemberg ging dadurch für immer verloren. Bis heute ist die Bevölkerung Lembergs fast ausschließlich ukrainischstämmig. Die Sowjetbehörden begannen schnell mit dem Wiederaufbau der durch den Krieg beschädigten Stadt und setzten einen Industrialisierungsprozess in Gang, der das Stadtbild völlig veränderte und das Lemberg von heute wesentlich beeinflusst hat.

Lemberg nach der Wende

Solange die Sowjetunion existierte wurden alle nationalen Strömungen und Bestrebungen in der Ukrainischen Sowjetrepublik verdrängt und unterdrückt. Erst seit 1991, als Lemberg zu einer bedeutenden Metropole im Westen einer unabhängigen Ukraine wurde, haben diese Bewegungen eine Chance auf ihre Verwirklichung bekommen. Heute ist Lemberg für seine Autonomiebestrebungen und eigentümliche Kultur bekannt, was zu dem besonderen Reiz dieser schönen Stadt beiträgt.