Der Rynok–Platz in Lemberg

Der Rynok–Platz in Lemberg

Der Rynok – Platz bzw. Marktplatz bildet das Herz des modernen Lemberg und erzählt von den verschiedenen Epochen und geschichtlichen Ereignissen, die die Stadt erlebt hat. Die heutige Gestaltung des Platzes wurde noch im 14. Jh. entwickelt, nachdem Lemberg von den Litauern erobert und von dem allgemeineuropäischen Baumodell einer Stadt beeinflusst worden war, bei dem ein rechteckiger Platz mit einer Größe von 140×130 m in der Mitte der Stadt liegt. Im Zentrum des Rynok – Platzes wurde das Rathaus errichtet. Rund um den Platz sind heute ungefähr 40 Gebäude aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen zu sehen. Der Platz wurde von eigens dafür eingeladenen deutschen Handwerkern künstlerisch ausgestaltet. Der Platz trug zuerst den Namen „Ring“, der sich mit Zeit durch dialektale und phonetische Änderungen zum heutigen „Rynok“ entwickelte.

Lange Zeit blieb der Rynok- Platz das Zentrum von politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und revolutionären Ereignissen und auch viele Ehrenweisungen der polnischen Könige wurden hier durchgeführt. 1848 stürzte bei einem heftigen Brand die Kuppel des Rathausturms ein.

Rathaus auf dem Marktplatz

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Rathaus auf dem Rynok-Platz in Lemberg

Das Lemberger Rathaus wurde im Stil des Wiener Klassizismus von 1827 – 1835 errichtet. Den Eingang des Rathauses zieren zwei Löwen mit Schildern, auf denen das Stadtwappen mit dem Siegel der galizischen Fürsten dargestellt ist.

Heute hat jeder Besucher die Möglichkeit, den 65 m großen Turm zu besteigen und einen wunderschönen Ausblick über die ganze Stadt zu genießen. Dabei lässt sich zudem ein näherer Blick auf das große Uhrwerk der Turmuhr werfen.

In jeder Ecke des Rynok- Platzes befindet sich ein Springbrunnen mit der Statue eines der altgriechischen Götter – Adonis, Neptun, Diana und Amphitrite, die 1793 von dem bekannten Bildhauer Hartmann Witwer geschaffen wurden.

Bemerkenswerter Weise haben die Häuser in Lemberg ihre Hausnummern erst im Jahr 1871 erhalten. Vorher wurden sie nach den Namen ihrer Besitzer und architektonischen Besonderheiten benannt, wobei der Rynok- Platz in vier Bauseiten geteilt wurde: in die Nord-, Süd-, West- und Ostseite.

Die wertvollsten Baudenkmäler befinden sich an der Ostseite des Platzes. Die älteren Gebäude unterscheiden sich von den neueren Bauten durch 3 Fenster in der Front, weil für eine größere Fensterzahl eine besondere Genehmigung und die Zahlung eines höheren Steuersatzes erforderlich waren.

Der Bandinelli-Palast

Eine besondere Stelle nimmt das Bandinelli – Haus an der Ecke des Marktplatzes ein (Haus № 2), das ein wunderschönes Beispiel für Renaissance- Architektur darstellt und im 17. Jh. dem Kaufmann und Begründer des ersten Postamts in Lemberg Robert Bandinelli gehörte.

Das Schwarze Steinhaus auf dem Rynok-Platz

Eines der wertvollsten und am reichsten dekorierten Baudenkmäler in Lemberg ist das Schwarze Steinhaus, das Ende des 16. Jahrhunderts von Peter Barbon und Paul dem Römer errichtet wurde und seinen Namen erst im 19. Jh. wegen der dunklen Farbe der verwendeten Steine erhielt (Haus № 4). Das Haus ist mit Plastiken zu religiösen Themen und raffinierten Ornamenten verziert, die Stadtbesuchern einen Eindruck von der mittelalterlichen Atmosphäre Lembergs geben.

Der Kornjaktpalast

Noch ein bedeutendes Gebäude auf dem Rynok- Platz ist der Kornjaktpalast (Haus № 6). Der Palast wurde 1580 von Peter Barbon entworfen und gehörte einem reichen Lemberger Kaufmann. Er wurde im italienischen Stil mit einem innenliegenden Hof – Atrium und einer offenen, zweistöckigen Arkade umgestaltet.

Heute kann man im Bandinelli- Haus und dem Schwarzen Steinhaus das Historische Museum von Lemberg finden, während im Kornjaktpalast verschiedene kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden.

Ein weiteres wertvolles Baudenkmal auf dem Platz ist der Lybomyrskipalast, der im Rokoko-Stil erbaut wurde (Haus № 10). Im 18. und 19. Jh. war dieses Gebäude Sitz des österreichischen Gouverneurs von Galizien. Heute befindet sich in diesem Haus eine Ausstellung von wertvollen altertümlichen Möbeln aus ganz Europa.

Eine populäre Touristenattraktion ist das Apothekenmuseum, das neben dem Museum für Pharmaziegeschichte auch immer noch eine Apotheke enthält. (Drukarska Str. 2).